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Vor 50 Jahren fragte der Physiker Enrico Fermi seine Studenten an der Universität von Chicago
“Wie viele Klavierstimmer gibt es in Chicago?”
Indem er ihnen solche Fragen stellte, wollte er seine Studenten dazu anregen, auf einem schnellen Weg eine Lösung durch begründete Schätzungen zu finden. Die Schätzungen sollen sich nur auf Alltagserfahrung stützen und benötigen nur relativ leichte mathematische Kenntnisse. Sie erschließen nicht nur physikalische Probleme, sondern können für viele Bereiche nützlich sein. Eine Fermi-Aufgabe sollte mit so wenig Mathematik auskommen, dass sie auf einem benutzten Briefumschlag gerechnet werden kann. (Im Englischen werden sie daher häufig auch als "Back-of-the-envelope-Calculations" bezeichnet)
Die so ermittelten Lösungen sollen nicht 100% präzise sein, aber mit vergleichsweise geringem Aufwand in der richtigen Größenordnung liegen.
Mit Größenordnungen zu rechnen, erscheint uns häufig unpräzise und unmathematisch. Viele reale Probleme erfordern aber dieses Vorgehen, um zu entscheiden, ob eine weitere, genauere Untersuchung sinnvoll ist. Außerdem kann ausgehend von der Größenordnung entschieden werden, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um ein Problem zu beheben.
zum Beispiel: Naturschutzorganisationen kennen verschiedene Verfahren, um eine bedrohte Tierart zu retten. Diese unterscheiden sich je nachdem, ob noch 500 oder 5000 Tiere existieren. Für die Entscheidung ist also nicht wichtig, ob es 5200 oder 6300 Tiere sind, weil die Strategie in beiden Fällen die gleiche ist.
Als Letztes können Abschätzungen für Vergleiche genutzt werden, um Dimensionen begreiflich zu machen ("Wenn die Sonne die Größe eines Fußballes hätte, läge die Erde in 25 m Entfernung und wäre so groß, wie ein Stecknadelkopf").
Auf den folgenden Seiten soll an verschiedenen Beispielen deutlich gemacht werden, wie man solche Fermi-Fragen beantwortet. |
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